Warum lässt Du mich gehn?
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Rücksprache
Die gleichen rauen Hände,
die ich ganz sanft kenne,
rasten zwischen uns
auf weissem Grund,
aber nicht grundlos.
Ich wollte jetzt schon wieder
zum schon widrigen Mal
nach ihnen greifen,
um zu begreifen,
was hier gerade vor sich geht.Verdreht.
Deine Augen sehen heute anders aus.
Glänzender.
Aber es ist kein ruhiges Glänzen,
denn der Glanz zeugt nicht von Leichtigkeit,
sondern von Gedanken.
Dein Blick sucht mich,
aber nur so halb.
Trüb.
Seelenbetrübt.
Und doch lächelst Du.
Ich habe es an diesem Punkt
nicht verstanden.
Aber retrospektiv kommt es mir nur
zu selbstvertraut vor.
Selbstverständlich.
Da flammt etwas in Deiner Brust,
dessen scharfe Kanten so verschwommen sind,
dass Du es nicht richtig erkennen kannst.
Lesen.
Anerkennen willst in seiner Wahrheit.
Ohne die ausgesprochenen Worte,
werden wir uns immer wieder
verfehlen.
Ohne die ausgesprochenen Worte,
werden wir uns immer wieder
missverstehen.missen.
[verspätet.]
xxj
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Befreit
Ich bin nicht gerecht zu Dir.
Ich möchte Deine Liebe für mich behalten.
Falsch ist der Gedanke, ich könnte sie verlieren.
Der Kern einer Liebe,
selbst einer verflossenen,
im Ozean ertränkten,
unter Bergen vergrabenen,
von einer Brise weggewehten,
vom Erdboden losgelösten,
einer weitergegebenen,
oder wie Papier zerrissenen,
bleibt.
Denn keine ist wie die nächste,
keine ersetzt komplett.
Wir bauen Stapel aus Liebe.
Andersartiger Liebe.
Aber immer schön und immer stabil.
Deshalb brauchen wir keine Angst zu haben,
vor dem Verlust.
Oder dem Verlorengehen.
Dem Vergessengehen.
All das kennt die Liebe nicht.
Also bleibe ich sorgenfrei.
Sie ist besonders und federleicht.
– und beruhigend gerecht zu Dir.
xxj
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Wellenbrechen
Wir werden immer miteinander verbunden sein.
Wie das Meer und das Ufer.
Mal sind wir uns näher,
dann ferner.
Mal zerfliessen wir ineinander,
wenn Deine Wellen brechen
und sie meinen Sand aufwirbeln.
Deine Strömung reisst mich ein wenig mit,
aber nie weit.
Du umspülst meine scharfen Kanten
und ich empfange Deine Wucht.
Du berührst mich behutsam,
streichst über meine raue Oberfläche,
wenn Du versuchst meine Gipfel,
oder meine Tiefen,
zu ertasten.
Du verlässt mich mit dem Mond,
ziehst Dich wieder zurück.
Verabschiedest Dich und lässt mich einsam
für eine gewisse Zeit lang.
Wir sind grundverschieden.
Du bist erfrischend,
fliessend im Wechsel,
mal weich, aber immer stark,
grenzenlos und doch begrenzt.
Du preschst plötzlich nieder,
rauschst dann ruhig.
Deine Düsternis reicht tief.
Ich reiche in die Höhe.
Kann felsenfest sein.
Auf mir wächst Grün,
so viele Farben.
Oder karges Nichts.
Klare Formen und doch beweglich.
Ich speichere wohlige Wärme in mir.
Ich bleibe beständig,
lodernd heiss,
wo Du mich nicht erreichst.
Du formst,
und zeichnest mich
und ich schränke Dich ein,
zeige Dir Dein Limit auf.
Ich zerbrösle,
verfalle zu Staub,
während Du Dich zu Dunst verflüchtigst.
Wir reichen beide bis zum Horizont
und darüber hinaus.
Uns erwärmt die Sonne.
Jeden Tag.
Vielleicht sind wir uns doch ähnlicher,
als wir dachten.
In unserer Verbundenheit
– wir brauchen einander,
machen den Anderen aus,
werden aber niemals eins sein.
xxj
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Bewusst
Ich weiss, dass Du heimlich an mich denkst.
Manchmal ganz kurz vor dem Einschlafen,
unangemessen in unmöglichen Momenten,
oder plötzlich aus dem Nichts.
Es gibt Tage, da überlegst Du lange an mir rum,
an anderen kaum.
Dann träumst Du von mir,
erst tagsüber, hie und da auch im Dunkeln.
Alles unbedeutend, sagst Du Dir.
Sag ich mir.
Wenn Du Dich dazu entscheidest, spiele ich keine Rolle mehr.
Verschwinde ich im Wegsein.
Und das wäre in Ordnung, es ist Dein gutes Recht.
Wahrscheinlich sogar besser so,
richtig so.
Aber schaffst Du das?
Willst Du das wirklich?
Schade, denn
ich warte, ohne warten zu wollen,
auf ein Wort von Dir.
Ich möchte wissen, dass ich in
Deinen Gedanken bin.
Auch wenn nur ganz harmlos,
auch wenn alles andere als harmlos.
Warum verbissen schweigen,
sich anschweigen?
Ich werde hier nicht in Frust zerfliessen,
oder warten auf mein Glück.
Auch wenn ich es tue.
Ich weiss, welche Bedeutung,
welchen Wert,
Du für mich hast.
Werde dem gerecht,
oder trete zur Seite in meinen Gedanken.
Gib Raum frei.
xxj
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Meeresbrise
Du warst nach so viel Zeit
wie der Wind.
Ich wusste Dich stets an meiner Seite,
manchmal zart,
süss zuflüsternd,
manchmal eisig,
oder lau.
Du hast meine Wange gestreichelt,
mich umarmt mit Deiner Frische,
mich erzittern lassen.
Du warst ein willkommener Begleiter.
Ich kannte Deine Art zu wehen,
Dein Wechseln von ruhig zu aufbrausend.
Du hast mich getragen,
manchmal vor dem Weiterkommen gestoppt,
Dich selten zurückgehalten.
Hast gepetischt,
um an einem anderen Tag wieder behutsam
durch mein Haar zu streichen.
Du hast geweht
mit Wehmut,
unsichtbar wehgetan,
warst wehrlos,
wenn ich Dir trotzen wollte.
Du warst schwer zu verstehen,
weil Du säuselst oder unfassbar stumm bist,
genauso, wie ich.
Ja, Du warst immer da,
manchmal nur im Hintergrund,
oder kaum merklich auf meiner Haut.
Ich schätze Dich
für Deine Treue,
für Deine stetige Kameradschaft,
Deine Lebhaftigkeit.
Ich glaube, ich nehme Dich wahr
als den, der Du vorgibst zu sein,
aber auch als den, der Du bist
mit Deinen stürmischen, sanften Seiten.
Eine sture Naturgewalt,
die sich in ihrer Natürlichkeit sicher ist.
Mich aufhorchen lässt
und mir auf unverständliche Weise
wohlgesonnen ist.
Wege freimacht,
niemals zwingt.
Manchmal machtlos zuschaut,
oder bestimmt von sich wegstösst.
Bitte bleib mir erhalten,
bleib an meiner Seite,
hülle mich ein in Deine Umarmung,
bleib da als milde Brise,
die mich wärmt, wenn mir kühl ist
und als bewundernswerter Lebenskünstler,
als anhaltender, rauer Luftzug,
den ich zu lieben gelernt habe.
xxj
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Abheben
Zwischen erdrückendem Alltag,
gelähmtem Aufwachen und Einschlafen,
zehrenden Erwartungen,
brutalen Selbstzweifeln,
langanhaltendem Frust,
überraschender und einschüchternder Unbeständigkeit,
offenen und abgeschlossenen Dingen,
samtweichen Bettlaken,
rauer Winterluft,
kühler Ignoranz,
fest haltenden Armen,
wild pochenden Herzen,
wohltuenden Worten,
sanfter Zufriedenheit
und unfassbarem Glück
suche ich.
Was ich finden möchte, weiss ich nicht.
Vielleicht eine verborgene Stärke,
oder die Stärke von jemand anderem,
damit ich sie nicht selber aufbringen muss.
Vielleicht ein Selbstwert,
der anders ist,
als der Jetzige.
Als das Momentane.
Einen, dem niemand etwas anhaben kann.
Und vielleicht auch etwas Mut.
Den Mut von früher,
der unerschütterlich und naiv war.
Und den Erfahrungen,
andere Seelen,
aber wohl schlussendlich ich ganz allein,
zerbröseln liess.
Ich weiss,
Zuhause kann ich das Gesuchte nicht aufspüren.
Denn dort finde ich mich
immer wieder
in alten Mustern,
die mich nicht weiterbringen,
aufhalten davor,
gesund zu mir selbst zu sein.
Was ich hier suche,
muss ich also woanders finden.
Woanders tief in mir.
Wohl ein naives Paradox.
Vielleicht suche ich nur nach einem Grund,
zu gehen.
Vorwärts zu gehen.
Weiterzulaufen.
Davon.
Aufzuhören,
zu warten.
Oder wie eine Karte gespielt zu werden.
Wann bestimmt man mehr über sein Leben,
als wenn man aus allem ausbricht
und die sonst festen Parameter für wandelbar erklärt?
Eintaucht in tiefe, dunkle Gewässer.
Ins Unbekannte.
Vielleicht erkenne ich dabei weniges,
das mir weiterhilft.
Höchstwahrscheinlich sogar.
Kehre zurück,
um mich gleich wieder wie eine Mauerblume
ins Festgemeisselte einzupassen.
Irgendwann,
so kann es die Zeit einfordern.
Es geschieht scheinbar immer.
Also kann man nur hoffen,
man sei im Erleben schlauer geworden.
Reflektierter.
Zärter.
Näher bei sich,
als vorhin.
In einer umsichtigen Umarmung.
Auf dem Weg zur Besserung.
Das hier tue ich nur für mich.xxj
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Der Mann und das Meer
Du sitzt da.
Deine rauen Hände unruhig,
Dein Blick blitzt hin und her.
Ruht kurz auf mir,
dann ist er wieder weg.
Du bist von innen nach aussen gekehrt
und doch verschlossen.
Ich sehe es,
das Etwas in Dir,
das Unruhe stiftet.
Das Dich aufwühlt,
es ist unbändig und grau.
Ich kann Dich mit meiner Wärme gerade nicht
erreichen.
Oder meiner täuschend echten Ruhe.
Weil Du eine Mauer baust,
eine aus Glas.
Nussbaum wäre Dir lieber,
aber Du befindest Dich nun auf
unbekannten Wegen.
Diese Zerbrechlichkeit an Dir
habe ich nur selten zu Gesicht bekommen.
Fast unmerklich bebt
eine Mischung aus Sorge und Trauer
in Deiner Stimme mit
und auch im Stillschweigen zwischen uns.
Ich fühle sie,
weil ich Dich mit meinem Herzen
spüre.
Wie immer spielst Du das scheiternde Versteckspiel
und ich begebe mich auf eine Suche nach dem
Unauffindbaren.
Du brauchst nicht so stürmisch
und auch nicht so betrübt zu sein,
nicht so kurz vor dem tosenden Bruch,
denn ich bleibe in meiner Klarheit
und in meinen tiefblauen Gedanken an Dich,
immer bei Dir.xxj