wach


Wie merkwürdig wir Dinge
irgendwo
zwischen Rauch, Bewegung, schnellen Atemzügen
und diffusen Lichtern wahrnehmen,
wenn sie in ihrer inneren Ruhe,
einer fast tastbaren Gelassenheit,
still zu stehen scheinen.
Eine bodenständige Präsenz
inmitten des Tumults.

Blicke sind tausend Geschichten wert.
Es sind Anfänge,
die unberührt bleiben können,
ohne dass man je wieder einen weiteren Gedanken
an sie verschwendet.
Oder man fängt sie ein
und spinnt damit weiter,
was einst keine Verbindung spürte.
Sich hineingeben in etwas,
das es noch nie gab
und für das es zwei braucht.

Die Frechheit,
die sich bei mir nachts auf die Lippen legt,
überrascht mich manchmal selbst.
Dreist, direkt auf das Fragwürdige zu:
Mut,
der sich in diesem Moment gar nicht danach anfühlt,
sondern nur nach einem Recken
nach Chancen.
Es sind wir, die das Leben formen,
die Blicke erwidern.
Die Anfangen,
oder im Warten verweilen und nie anfangen,
und ohne zeitliches Mass,
spät, frühzeitig,
herzzerreissend langsam oder überrumpelnd abrupt
beenden.

Warum sich jemand gut anfühlt,
hat nichts mit der Wahrheit zu tun.
Es ist ein glücklicher Zufall
und ein paar weitere Dinge,
die man eigentlich gerne beeinflussen möchte.
Jemand, der sich ebenso freiwillig
als Teil des gemeinen Konstrukts sieht
und Mikroentscheidungen in Sekundenschnelle trifft,
die zum eigenen Unsinn passen.
Nicht perfekt oder symmetrisch
wie Zahnräder in Maschinen,
sondern einfach so,
dass das lückenhafte System weiterläuft.
So, wie die Anordnung der Sterne im Weltall.
Oder die vertraute Sprache,
mit der wir so unbeholfen kommunizieren.

Gemeinsam haben wir uns verschworen
für ein paar zarte, ausschweifende Stunden,
direkt am Rand des Alltags
die Regeln zu vergessen
und unseren improvisierten Plan
durchzuziehen.
Die Sinne nun gerichtet auf das,
was zwischen uns liegt
und übermütig ignorierend,
dass wir Teil der Welt sind.
Für andere bewusst verloren gehen,
um im eigenen Hier und Jetzt
Parallelen zu finden.

Suspension der Zeit.
Die Atmung so tief,
als sei man kurz davor,
für immer abzutauchen.
Hinter verschlossenen Türen
entfaltet sich der Weltschmerz.
Versickerter Kummer
in grösserem oder kleinerem Ausmass,
aber nur unterschwellig
zwischen den Zeilen.
Es fällt stumm der kollektive Entscheid,
sie zu überlesen.
Und eine Bitte:
Lass uns lebendig sein
in der Schnittmenge unserer Grenzen.

Ein wahrscheinlich zum Scheitern verurteilter,
unaufdringlicher Versuch,
die Norm zu sprengen.

Mitten im Morgengrauen
ist es Nacht und Tag zugleich.
Gedanken und Körper gelöster
als sonst.
Friedlich.
Das Licht draussen ruft,
die verschwiegene Dunkelheit
und die unbewegte Luft halten fest.
Wie schwer es fallen kann,
ins Helle zurückzukehren,
wenn das Andere einen liebevoll umschlingt.
Die Knochen gewichtiger als sonst
und der Sinn dumpf.
Reboot der Auffassungsgabe
mit zig Fehlermeldungen,
gefolgt von verhaltenem, pflichtbewusstem
Wegdrücken.

Kurz vor dem entscheidenden Schritt,
schleierhafte Schatten hinter sich.
Ganz klar glücklich
am Ende der Tragödie.
Es gibt keinen anderen Weg,
als wieder raus
– zumindest in meinem Verständnis
davon, wie das Leben funktioniert.
Selbstbestimmter Schwellenübertritt.
Dankbar dafür,
dass die Sonne erbarmungslos strahlt
und das Leben draussen im schmerzhaft vollen Gange ist.
Starrer Blick gesenkt
und dennoch nach vorne gerichtet.

Und dann diese unerwartet anwesende
Bereitschaft.
Ruhige Gegenwärtigkeit,
nach wie vor.
Wenn,
dann machen wir das Seite an Seite.
Und alles Weitere
ist in seiner Heftigkeit besänftigt
und nur noch ein Bruchteil
seines Gewichts.

xxj


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